Knochenbrecherkohorte
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Das Todeskind, Samedis Stimme

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Beitrag von Akajee Sa Jan 16, 2010 1:17 am

((Dies ist eine Geschichte über Rash'Akee, und auch eine Geschichte über ihre Bindung/Beziehung zu Maa'gal. Wenn es jemanden interessiert.^^ ))


Es war nicht ihre Aufgabe zu hinterfragen. Nicht ihre Aufgabe, zu verhindern. Es war alleine ihre Aufgabe zu sprechen. Die Stimme ihres Loa, die nur sie und ein paar andere auserwählte Priester vollends verstehen konnten. Die Stimme des Todes, das Todeskind, so wurde sie genannt. Das war ihr Name in jedem Trollstamm, inklusive ihrem eigenen. Und so hinterfragte sie nicht. Niemals. Sie nahm es hin, als Begebenheit, die sich nicht ändern würde. Niemals.

Schweigend saß die Samedipriesterin, eine Dunkelspeertrollin namens Rash’Akee in einem Baumwipfel. Sie hatte einen wunderbaren Blick über die kleine Goblinstadt, in der sich die Knochenbrecherkohorte, direkt neben dem Voodootopf niedergelassen hatte. Sie betrachtete die Trolle. Es waren viele, hauptsächlich Weiber. Eines war neu, eine Amani, Rash’Akee kannte sie. Doch sie interessierte sie nicht. Ihr Blick lag auf einem Haus. Dem Haus, in dem er wohnte. Mit seinen Weibern.

Nicht eine Emotion huschte durch das Totenkopfgesicht der Priesterin. Wie eine starre Maske wirkte es, die Augen leblos wie der Tod selbst. Ja, vielleicht war sie selbst bereits tot und sie wusste es nicht. In ihrem Inneren fühlte es sich so an. Rash’Akee musste nicht raten, was dort in diesem Haus ablief. Die Geräusche verrieten es ihr. Sie kannte sie selbst so gut. Sie verspürte den Drang wegzurennen, konnte sie nicht definieren, was in ihrem Inneren los war. Doch sie blieb. Ohne eine Muskelbewegung in ihrem Gesicht. Langsam senkte sich ihr Blick auf die geschäftigen Goblins. Erinnerungen überfluteten sie, Erinnerungen, die ihr fremd vorkamen, und doch wusste sie, es waren ihre eigenen. Ihr ganzes, junges Leben. Langsam schloss die Priesterin die Augen, und sie spürte, wie ihre Zähne aneinander rieben und knirschten. Sie gab sich ihren Erinnerungen hin.

Ihre Bestimmung stand schon lange fest. Schon lange, bevor sie es wusste. Bevor irgendjemand anderes es wusste. Man hielt sie für ein schwaches Weibchen, schon als sie ein Welpe war. Und so lehrten sie die Welpenweibchen schon früh zu kochen, zu nähen, und dem Männchen zugegen zu sein. Ihr Vater selbst scherte sich nicht um sie. Er sagte immer, er würde so schnell sowieso keinen passenden Kerl für sie finden, denn sie war ungeschickt und dümmlich. So kam es, dass dieser rothaarige Welpe bis zu ihrem 12. Geburtstag ein tristes, sehr einsames Leben lebte. Doch dieser Geburtstag würde zu ihrer zweiten Geburt werden. So saß sie da und versuchte verzweifelt, ein Netz zu knüpfen. Ständig verhaspelten sich ihre Finger in den Stricken, oder die Knoten lösten sich wieder auf. Die Weiber schimpfen auf sie. Sie sei unfähig, dumm. Langsam kullerten dem Welpen Tränen über die Wangen, ohne, dass sie ein Geräusch von sich gab. Sie hatte vergessen, dass sie an diesem Tag geweint hatte. Und noch bevor die erste Träne ihren Rock erreichte, hörte der Spott auf. Das ganze Dorf war plötzlich still. Verwirrt sah der Welpe auf, blickte sich um. Was war geschehen? Als sie hinter sich sah, entdeckte sie den Grund der Angst. Ein nahezu riesiger Troll stand hinter ihr. Unter schwarzer, aufgebrochener Farbe schimmerte grünes Moos hervor. Auf der schwarzen Farbe war weiße Farbe. Sie zeichneten Knochen nach. Ein Gestank nach Tod umgab den Troll, der den Welpen aus emotionslosen Augen musterte. Rash’Akee kannte diese Gestalten. Sie wusste, wer sie waren, was sie taten. Sie hatte sie oft gesehen, wenn sie kamen, um einen der Kranken oder Alten zu holen. Nun sah er sie an und Rash’Akee wusste, was es bedeutete. Sie ließ das Netz fallen und erhob sich, reichte dem Priester nicht einmal bis zur Hüfte. Leise und kühl hörte sie seine dunkle Stimme an ihrem Ohr, als er die riesige Klaue auf ihre schmale Schultern legte. „Rash’Akee. Samedi ruft nach dir.“ Alles verkrampfte sich im Welpen und sie wusste sich nicht anders zu helfen, als nach der Robe des Priesters zu greifen und sich daran festzuhalten. Sie senkte ihren Blick und zitterte am ganzen Leib. Sie hatte noch nicht verstanden, wieso man starb. Was Reinkarnation bedeutete. Sie hatte Angst. Sie wollte nach dem Warum fragen, doch sie wusste, dass es keinen Sinn hatte. „Folge mir.“, hörte sie erneut seine Stimme. Tapfer nickte das Kind und folgte dem großen Troll, welcher sogar ihre kleine Klaue in die seine nahm. So verließ sie ihr Dorf stolpernd, nicht ahnend, was passieren würde..

Langsam öffnete die Trollin im Baumwipfel ihre Augen. Es war bereits Nacht geworden, doch das geschäftige Treiben unter ihr fand kein Ende. Sie atmet leise, tief ein. Das war ihr neues Leben. Sie dachte, sie würde sterben, doch Zarr’sko hatte sie eher erlöst. Es war ihr Weg, sagte er, ihre Bestimmung. Er lehrte sie alles. Unter seiner Hand wuchs sie heran, wurde, was sie war. Nicht ganz, nein…. Den letzten Schliff… den entscheidenden Schliff hatte sie jemandem anderen zu verdanken.

Wie gestern kam es ihr vor, dass sie ihn traf. Zarr’sko hatte sie entlassen. Sie sei fertig. 22 Jahre alt war sie nun. 10 Jahre des emsigen Lernens hatte sie hinter sich, 10 Jahre der harten Ausbildung. Nun war sie fast eine Samedipriesterin. Sie musste sich nur noch vor Samedi beweisen. So hatte sie ihren Lehrmeister verlassen. Unbedacht ging sie zurück in die normale Welt, nach Orgrimmar. Die Reise war lang, aber sie gab nicht auf, denn je näher sie Ogrimmar kam, desto lauter hörte sie Samedis Stimme, die ihr sagte, sie würde dort jemanden treffen, der ihr ihre erste, wirklich wichtige Aufgabe offenbaren würde. Dementsprechend war sie aufgeregt. Doch sie hatte vergessen, dass ihr nie jemand gezeigt hatte, wie man jagte. Gold hatte sie keines. Sie litt Hunger, als sie in Orgrimmar ankam. Sie wusste noch, dass sie im Tal der Ehre an den See wollte. Vielleicht konnte sie einen kleinen Fisch angeln. Also ging sie, doch zum Angeln kam sie nicht. Am See saß ein riesiger Troll, ja, er war sogar noch größer als Zarr’sko. Er hatte ein zerfetztes Ohr und ihm fehlte wohl ein Auge. Grünes, leichtes Moos bedeckte seine Haut. Und sie hörte Samedis Stimme in ihrem Kopf, dass er derjenige war. Dass sie seinen Vater holen müsste. Sie staunte nicht schlecht, doch konnte sie sich nur auf den Troll konzentrieren, der selbst hockend größer war als sie stehend. Er aß. Fleisch. Sie hörte ihren Magen knurren, sah sehnsüchtig auf sein Essen. Er bemerkte ihren Blick wohl. Er grinste. Winkte sie heran. Folgsam ging sie zu ihm, neugierig und skeptisch zugleich. „Has‘ Hung’r, eh?“ Lediglich leicht Nicken konnte Rash’Akee. Erneut grinste er. „Hier. Iss‘.“ Er drückt ihr einen Sack blutigen Fleisches in die Hand. Fassungslos sah sie ihn an. „Danke..“, nuschelte sie, öffnete den Sack und fischte sich vorsichtig ein Stückchen Fleisch hervor, testend, ob er es ihr nicht doch wegnehmen wollte, ob er sie nicht schlagen wollte. Doch nichts tat er. Er ließ sie sich satt essen. An seinem Fleisch. Sie beschmierte sich vor lauter Gier und Hunger überall mit Blut und plötzlich griff er nach ihrer Hand, und begann jenes abzulecken. Und dann reinige er ihr das Gesicht..

Rash’Akee schreckte kurz auf. Erneut knirschten ihre Zähne. Sie kannte dieses Spiel, diese Anwandlungen schon. Auch mit Zarr’ko hatte sie sich ab und zu die Felle geteilt. So war er nicht ihr Erster, aber der erste, bei dem es ihr wirklich gefiel. Sie hatte seinen Vater geholt. Hatte ihn mit ihm zusammen beerdigt. Sie hatte gegen Samedis Wunsch seinen Halbbruder beerdigt. Erinnerungsfetzen glitten ihr vor das innere Auge. Wie sie Maa’gal Orcisch beibrachte. Wie sie mit ihm in Zul’Aman war. Wie sie mit ihm lachte. Mit ihm kämpfte. Wie sie auf ihn wartete. Wie sie hinter ihm auf seinem Raptor saß. Seine Wut, als sie verletzt wurde. Ihr Kopf sank gegen das Holz. Noch immer zeigte ihr Gesicht keine Emotion, nur in ihren Augen lag eine unbeschreibliche Sehnsucht. Die niemals befriedigt werden könnte. Die letzte Erinnerung ließ sie wieder ihre Augen schließen, um zu verhindern, dass Tränen unerlaubt über ihre Wangen liefen. Sie würde nicht mehr weinen. Nie wieder, denn sie hatte über solchen Dingen zu stehen..

Es war in Un’Goro, diesem Höllenloch. Sie selbst kam verspätet, bekam einen Kampf nicht mehr mit. Nur, wie er kämpfte. Sie bewunderte ihn, liebte ihn. Für sie war die Entscheidung längst gefallen. Würde er sie wählen, würde sie ihr Amt aufgeben. Sich nicht in den Klerus erheben lassen. Sie würde sein Haus hüten. Sie war glücklich, sie war sich so sicher. Doch als es zu einem Gespräch kam, und sie ihm, wie schon vor einiger Zeit, eingestand, dass sie ihn liebte, kam es alles anders als Gedacht. Er sagte Nein. Rash’Akee fühlte, wie etwas in ihr zerriß. Etwas, das sie nicht bschreiben konnte. Schmerz und Angst fluteten ihre Gedanken und sie begann zu zittern, fühlte sich wie dieser kleine, rothaarige, 12-jährige Welpe, fühlte sich, als würde sie sterben, jetzt in diesem Moment. Er hatte Nein gesagt… Sie schluchzte verzweifelt auf. So konnte sie nicht leben. Wenn ständig die Seifenblase zerplatzte und sie erneut in ein Tal voller Schmerz riss. Sie stand auf und rannte fluchtartig weg, die Augen blind vor Tränen stolperte sie, fiel hin, stand erneut auf und rannte weiter, immer tiefer in den Dschungel hinein. Irgendwann war sie weit genug weg. Sie fiel erneut, doch diesmal blieb sie liegen. Sie hatte keine Kraft mehr. Sie hatte alles kaputt gemacht…

Rash’Akee verzog ihr Gesicht nur einen Hauch, als sie sich daran erinnerte, was folgte. Wie sie schrie, als würde sie ihren eigenen Todeskampf erleben. Sie wusste, dass alle es gehörten. Das verzweifelte Brüllen aus der Kehle eines Trollweibchens, die nun wieder alleine war. Sie hatte ihm gesagt, sie könne ohne ihn nicht leben. Aber das müsse sie nicht, hatte er erwidert. Ja.. für seine Felle hatte er immer Platz für sie. Ihre Entscheidung war gefallen. Sie raffte sich auf und würde zu Zarr’sko zurückkehren, wissend, was sie erwartete. Seine Felle zunächst, und dann.. würde sie sich Samedis Urteil stellen. Priesterin.. oder nicht.

Rash’Akee riss sich aus ihren Gedanken. Die Geräusche aus seinem Haus waren verklungen. Ein Schatten huschte daraus hervor. Sie konnte ihn sehen, durch die Tür, nackt. Ihr Gesicht verhärtete sich. Schmerz machte sie stärker.

„Ich liebe dich, Maa’gal. Und genauso hasse ich dich. Ich werde dir irgendwann etwas nehmen, das dir etwas bedeutet. So wie du mir. Sobald Samedi es mir erlaubt.“ Die Worte sprach die Priesterin, nur für sich, eh sie sich erhob, und in den Schatten verschwand, als sei sie niemals dort gewesen..

Akajee

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